Kunstgeschichte - Blog

Skulptur “Trio Logie” – ein nicht gehaltener Vortrag

Dieser Vortrag entstand für die Einweihung der Skulptur “Trio Logie” von Joachim-Fritz Schultze-Bansen (Linde – Ortsteil Löwenberg) am 5.5.2018.

Liebe Gäste,

die Skulptur “Trio Logie” entstand, wie Herr Bierwisch bereits erwähnte, während des Symposions zum Kulturjahr E88. 1988 war West-Berlin Kulturstadt Europas und Schauplatz europäischer Kunst geworden, wofür E88 steht.

14 internationale Künstler – aus Japan, Jugoslawien und Ungarn – , darunter erstmalig Bildhauer des Ostteils der Stadt bzw. des Landes, waren geladen. Joachim-Fritz Schultze-Bansen nahm insofern einen Sonderstatus ein, da er sowohl an dem ersten in Berlin durchgeführten Bildhauersymposion – 1961 – als auch an dem 1988 teilnahm. 1961 wählten die Bildhauer bewusst Berlin als Durchführungsort. “In Kirchheim”, so Schultze-Bansen in einem Interview 2003, “haben wir über die politische Situation in Berlin diskutiert, und als es mit dem Bau der ‚Mauer losging, haben wir uns entschlossen nach Berlin zu gehen.” Schultze-Bansen, wir erinnern uns, nahm in Kirchheim ebenfalls an einem internationalen Bildhauer-Symposion teil. Rückblickend konstatierte er, dass “das Thema Wiedervereinigung […] immer in” ihm “schlummerte”. Die Plastik in Kirchheim, bestehend “aus zwei aufeinander bezogene[n] Quader[n]”, könne auf dieses Thema bereits bezogen werden.

Die 1988 entstandene und hier befindliche Skulptur besteht aus drei, man könnte sagen, fragmentarischen Teilen, die so positioniert sind, dass sie aufeinander Bezug nehmen. Schultze-Bansen betont sowohl die Horizontale als auch die Vertikale und lässt im Zusammenspiel der einzelnen Steine die geometrische Form des Dreiecks mehrfach entstehen. Detailliert figurative Ausformungen waren mit der Wahl des Materials nicht beabsichtigt. Beständigkeit gegen physische Einflüsse dagegen schon. Das Serpentin ist in seiner Materialität “härter als Granit” und somit wetterbeständig. Ebenso hinterlassen haptische Interaktionen keine Spuren. Die “Serpentin-Triologie” verdeutlicht die Hauptpunkte, die die künstlerischen Arbeiten Schultze-Bansens bestimmen: die Abstraktion, das Material und die Interaktion des Rezipient. Anfänglich fasziniert von Schlüters Gigantenköpfen wendete er sich während seines Studiums der abstrakten Formensprachen in der Bildhauerei zu.

Seine erste Arbeit im öffentlichen Raum, aufgestellt 1957 in Berlin-Spandau, Herr Bierwisch erwähnte es bereits, löste kontroverse Diskussionen in der Bevölkerung aus. Der damalige Direktor der Hochschule für bildende Kunst Professor Otto sah in der Skulptur “ein Zeichen der Modernen Kunst” und eine Leserin teilte dem Spandauer Volksblatt mit, dass diese Plastik “entartet” sei. Diese verkürzte Darstellung des Schlagabtausches verdeutlicht das kulturelle Klima der Nachkriegszeit in der Joachim-Fritz Schultze-Bansen seine künstlerische Laufbahn begann. Die klassische Moderne war das künstlerische Erbe, auf das man sich berief. In der NS-Zeit als entartet diffamiert, wurde sie danach rehabilitiert. Doch jede gesellschaftliche Veränderung benötigt Zeit, um in der Bevölkerung Fuss zu fassen, wie die Äußerung der Leserin zeigt.

Als Mitglied der Künstlergruppe “Plastik 71” stellte sich Schultze-Bansen der Aufgabe die Distanz zwischen den Künstlern (oder dem Kunstwerk) und der Öffentlichkeit zu verringern. So konnten die Besucher der Ausstellung “Anfassen. Erfahren. Begreifen”, am 12.11.1972 im Haus am Waldsee eröffnet, plastische Werke verschiedener Künstler, unter anderem auch Arbeiten von Schultze-Bansen, nicht nur betrachten sondern, wie der Ausstellungstitel bereits verrät, taktil erfahren.

Neben Gips, verwendete der Künstler Beton, Kalkstein oder Nickel, Bronze, Chromstahl, Neusilber, aber auch Marmor; wohl in seltenen Fällen Holz.

Ein- oder mehrteilig referenzieren die Formen der einzelnen Werke kaum auf unseren Erfahrungsraum, dies übernehmen die Titel der Arbeiten:  “Kleine Umklammerung” oder “Silberner Turm”, um an dieser Stelle zwei Beispiele zu nennen.

Somit ist, um zu unserem Ausgangspunkt zurückzukehren, die “Serpentin-Triologie” nicht nur ein Zeugnis eines historischen Ereignisses – dem Berliner Symposion 1988 – sondern ebenso künstlerisches Zeugnis von Joachim-Fritz Schultze-Bansen.

*Findest Du Rechtschreib- oder Grammatikfehler, dann sende mir eine E-Mail mit diesen. Danke!*

Tags: , , , , , , , , , ,

Comments are closed.